Bedburg: Alle Ratsparteien wollen Sekundarschule durchdrücken

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Wie in vielen Städten im Rhein-Erft-Kreis, arbeitet man auch in Bedburg seitens der im Rat vertretenen Parteien an einer vollkommenen Umgestaltung der Schullandschaft, obwohl dies von den Eltern meist nicht gewollt ist. Momentan setzt sich der Rat einstimmig dafür ein, dass die Haupt- und Realschule aufgelöst werden, um eine Sekundarschule zu schaffen.

Der Gesetzgeber hat für solche Vorhaben einige Hürden eingebaut, damit der Willen der Schüler, Eltern und Lehrer vor Ort zumindest nicht vollkommen ignoriert werden kann. So müssen bei jeder Sekundarschule mindestens 75 Kinder angemeldet werden, damit man mit 3 Klassen pro Jahrgangsstufe beginnen kann.

Als erster Schritt steht dabei eine Elternbefragung, um herauszufinden, ob dieses Ziel überhaupt erreicht werden kann. Die Ergebnisse dieser Befragung liegen nun vor und zeigen, dass die Eltern der Sekundarschule größtenteils skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen.

So antworteten auf die Frage „Falls es zum Schuljahr 2014/15 in der Stadt Bedburg eine Sekundarschule geben würde – würden Sie Ihr Kind dort anmelden?“ lediglich 41 Eltern mit Kindern im 4. Schuljahr mit „ganz bestimmt“, 37 gaben „eher ja“ an. Selbst wenn alle dieser Eltern also ihre Kinder dort anmelden würden, was äußerst unwahrscheinlich ist, käme man mit 78 Anmeldungen nur sehr knapp über das Mindestziel. Dagegen äußerten 119 Eltern ihre Ablehnung, 46 stimmten mit „eher nein“ und ganze 73 sogar mit „bestimmt nicht“. Bei den Eltern mit Kindern im 3. Schuljahr war die Ablehnung noch deutlicher.

Auch bei den Informationsveranstaltungen zur Sekundarschule zeigte sich das vollkommene Desinteresse der Eltern an dieser Schulform. So berichtete der Kölner Stadt-Anzeiger: „In der Martinus-Grundschule Kaster waren von 144 eingeladenen Eltern gerade einmal zehn, in der Bedburger Wilhelm-Busch-Schule von 117 eingeladenen Eltern nur 30 anwesend.“

Bei der ebenfalls vorgeschriebenen, aber für den Rat nicht bindenden, Befragung der Schulkonferenzen der Schulen, die man für die Sekundarschule auflösen müsste, lehnte die Schulkonferenz der Arnold-von-Harff-Hauptschule eine Auflösung übrigens ab.

Trotz dieser Gemengelage zwischen Desinteresse und klarer Ablehnung seitens der Eltern wollen alle Fraktionen im Stadtrat das Projekt durchführen und nun bis Februar, wenn die Anmeldephase beginnt, verstärkt gegen den Elternwillen anwerben.

Karl-Heinz Spielmanns von der Freien Wählergemeinschaft Bedburg (FWG) meint dazu: „Eine vernünftige Weiterentwicklung des Schulzentrums geht nur mit dem Silverberg-Gymnasium und einer Sekundarschule“. Wilma Brings (SPD) will sich ebenfalls weiter für die Sekundarschule einsetzen, „auch unter der Gefahr, dass wir damit scheitern“ und auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Georg Kippels meint, dass „die Einführung der Sekundarschule von elementarer Bedeutung für unseren Schulstandort“ ist. Wir hoffen, dass es bei diesem Einsatz gegen den Elternwillen nicht zu solch skandalösen Vorfällen kommt, wie das in Pulheim der Fall war, als der dortige Rat ebenfalls eine Sekundarschule gegen den Widerstand der Betroffenen durchsetzen wollte. (mehr dazu in diesem Artikel: Pulheim: Sekundarschule gescheitert)

Unsere Partei hat sich bereits in Pulheim gemeinsam mit Schülern, Eltern und Lehrern erfolgreich gegen die Einführung einer Sekundarschule eingesetzt und wir lehnen diese Pläne selbstverständlich auch in Bedburg ab.

Da sich die Fälle teilweise gleichen, wollen wir auf unsere Artikel zur damaligen Situation in Pulheim hinweisen:

07.03.2013 | Pulheim: Sekundarschule gescheitert
18.12.2012 | Pulheim: Bericht zur Ratssitzung | Einführung der Sekundarschule
13.12.2012 | Abschlussveranstaltung zum Thema “Sekundarschule in Brauweiler”
01.12.2012 | Flugblattaktion | Erhalt der AKRS in Pulheim

Für die Begründung unserer Ablehnung zitieren wir aus dem Artikel vom 13. Dezember 2012:

Während ein anwesender lokaler Unternehmer aus dem Publikum sich beispielsweise berechtigte Sorgen darum machte, dass die momentan sehr hohe Qualität der Schulabsolventen, die in Zukunft seine Auszubildenden werden könnten, durch solche Experimente in der Schullandschaft möglicherweise massiv leidet, antworteten die Personen auf dem Podium lediglich mit Visionen, teilweise wirkten sie, als hätten sie den Realitätsbezug schon lange verloren.

Da wurde schwadroniert von Schulen wo niemanden sitzenbleibt, was aber auch gar nicht mehr möglich ist, weil es keine Noten mehr gibt. Bei Klassenarbeiten ist es nicht mehr das Ziel möglichst viele Aufgaben richtig zu lösen, sondern sein persönliches Ziel zu erreichen, das vorher durch die Lehrer anhand der eingeschätzten “Kompetenz” der Kinder festgelegt wird. Statt von wirklichen Inhalten wurde von “demokratischen Werten” und “Weltoffenheit” geredet, welche die Kinder erlernen sollen. Dabei wird natürlich jeder Schüler optimal persönlich gefördert, am Ende kann so jeder Schüler seinen für ihn perfekten Beruf ergreifen. Soweit die Utopie.

In der Realität gibt es da dann doch einige Probleme. Dadurch, dass niemand sitzenbleibt, werden alle Schüler unabhängig von ihrer Leistung von Klassenstufe zu Klassenstufe mitgeschleppt. Dadurch wird der Unterschied zwischen den schwächsten und den stärksten Schülern einer Klasse natürlich immer größer. Nach den neuesten Bildungsstudien (IGLU/PIRLS 2011 und TIMSS 2011) wird dieses Problem bereits in den deutschen Grundschulen auf die befürchtete Weise gelöst.
Schwächere Schüler, darunter besonders viele Ausländer, werden massiv gefördert, die Förderung der besseren Schüler findet hingegen kaum statt. Während das in den vier Grundschuljahren kaum anders möglich und teilweise sogar sinnvoll sein mag, da es dort immerhin um die Grundkompetenzen für das weitere Lernen in der Zukunft geht, die jeder beherrschen muss, führt das natürlich zu massiven Auswirkungen, wenn man auch nach der Grundschule keine Differenzierung vornimmt, sondern die Kinder weitere 6 Jahre gemeinsam unterrichtet.

Wo ist der Sinn, wenn man Kinder mit vollkommen unterschiedlichen Anforderungen in eine Klasse sperrt, nur im Sinne der falsch verstandenen Gleichheit und der Schaffung des Einheitsmenschen? Wäre es nicht im Gegenzug wichtiger auf verschiedenen Schulen verschiedene Ansätze zu wählen?
Warum sorgt man nicht endlich wieder dafür, dass die Hauptschulen, früher Volksschulen, auf welche die absolute Mehrheit ging, endlich wieder ihren alten Rang erhalten? Man hat diese mutwillig heruntergewirtschaftet und anstatt das Problem anzugehen, wird es nun verschoben, durch die Schaffung von Sekundarschulen.

Dabei hat das dreigliedrige Schulsystem jahrzehntelang sehr gut funktioniert. Manch einer ist eben nicht für höhere theoretische Aufgaben geeignet, während einem anderen diese leichter fallen, er aber mit handwerklichen Fähigkeiten nicht gerade gesegnet ist. Warum also nicht jeden auf seiner Schulform gemäß seinen Anforderungen und Fähigkeiten fördern? Das dürfte die Frustrationen der Schüler deutlich senken, im Gegensatz zu einer Einheitsschule, auf der alle zusammengeschmissen sind und keine höheren Leistungen, sondern nur Einheitsbrei erzeugt wird.

Wir lehnen die Sekundarschule daher vollkommen ab.

Bildquelle: Manfred Jahreis | pixelio.de

 

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