Erftstadt: Klage gegen Inklusion eingereicht

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Insgesamt 52 Städte und Gemeinden klagen in NRW gegen die von der Landesregierung im November 2013 eingeführte Inklusion, darunter auch Erftstadt. Während der Begriff der Inklusion eigentlich noch weitreichender ist, wird er in der momentan politischen Diskussion hauptsächlich benutzt, um den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht-behinderten Kindern in einer Klasse zu bezeichnen.

Wir hatten uns bereits Ende 2012 in dem Artikel „Inklusion: Ein weiterer Irrweg in der Bildungspolitik“ kritisch mit diesem Thema auseinandergesetzt. Nicht unerwartet, sind unsere damaligen Befürchtungen vielfach Realität geworden.

Neben den hohen Kosten für nötig gewordene Umbauten klagen die Städte und Gemeinden besonders über die Kosten für spezielle Fachkräfte, die vom Land auf sie abgewälzt werden. In Erftstadt bezahlte das Land pauschal 15.000 Euro für diese, bei Kosten von rund 240.000 Euro.

Wie erwartet fehlen Sonderpädagogen, um die behinderten Kinder zu betreuen, die Lerngruppen sind zu groß, die Klassenräume nicht geeignet, die Barrierefreiheit ist nicht vorhanden und die Fortbildungsangebote für Lehrer ohne sonderpädagogische Erfahrung sind unzureichend.

Zu Aufregung bei Verfechtern der uneingeschränkten Inklusion führt es dann sogar, wenn ein Kind mit Down-Syndrom nicht auf einem Gymnasium angenommen wird, wie beispielsweise bei einem Fall in Baden-Württemberg. Obwohl ihr behinderter Sohn, wie bei Down-Syndrom üblich, bereits Probleme mit dem Erlernen des Alphabets hat, forderten die Eltern eine Aufnahme auf einem Gymnasium, damit ihr Sohn nicht von den Kindern getrennt wird, mit denen er vier Jahre lang die Grundschule besucht hat. Natürlich ist es schlecht, wenn ein Kind von seinen Freunden getrennt wird, hätten die Eltern ihren Sohn sofort auf einer Förderschule angemeldet, wäre es jedoch niemals dazu gekommen. Der Vorsitzende des baden-württembergischen Philologenverbandes fand dazu die passenden Worte: „Wir fühlen uns bei Inklusion gut als Erwachsene und setzen uns über die Bedürfnisse des Kindes hinweg.“ und „Am Gymnasium wird er Tag für Tag spüren, dass er dem, was da im Klassenzimmer passiert, nicht folgen kann.“

Selbst unter optimalen Bedingungen wäre die Eingliederung aller behinderter Menschen an Regelschulen eine zum Scheitern verurteilte Idee, die nicht zuletzt meist auch zum Nachteil der Behinderten ist. Da die Bedingungen aus finanziellen Gründen jedoch nicht einmal annähernd akzeptabel sind, wird dieses ideologisch motivierte Experiment noch fatalere Folgen haben. Gleichmacherei ist nun mal keine wahre Gleichberechtigung.

Bildquelle: Dieter Schütz | pixelio.de

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