NRW: Inklusion in NRW faktisch gescheitert

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Eines der eigentlichen Vorzeigeprojekte der rot-grünen Landesregierung ist faktisch gescheitert. Laut einer repräsentativen Umfrage des Forschungsinstituts Forsa geben die Lehrer in NRW der Inklusion überwiegend die Note „mangelhaft“.

Wir hatten uns schon Ende 2012 in dem Artikel „Inklusion: Ein weiterer Irrweg in der Bildungspolitik“ kritisch mit diesem Thema auseinandergesetzt. Nicht unerwartet, sind unsere damaligen Befürchtungen vielfach Realität geworden.

Im Sommer 2015 reichten mehrere Städte und Gemeinden aus NRW sogar Klage gegen die Inklusion ein. Wir zitieren aus unserem Bericht dazu: „Wie erwartet fehlen Sonderpädagogen, um die behinderten Kinder zu betreuen, die Lerngruppen sind zu groß, die Klassenräume nicht geeignet, die Barrierefreiheit ist nicht vorhanden und die Fortbildungsangebote für Lehrer ohne sonderpädagogische Erfahrung sind unzureichend.

An diesen Zuständen hat sich laut der neuesten Lehrerumfrage absolut nichts geändert. So bewerten 66 Prozent der Befragten die personelle Ausstattung mit mangelhaft oder sogar ungenügend, 48% der Lehrer geben an, dass die Klassengröße von inklusiven Klassen im Vergleich zu nicht inklusiven Klassen beibehalten wurde und 54% der Befragten geben an, dass die inklusiv unterrichtenden Lehrkräfte über keinerlei sonderpädagogischen Kenntnisse verfügten; lediglich bei 3% war die Inklusion überhaupt ein Teil der Lehrerausbildung. Im Durchschnitt wird die Umsetzung der Inklusion mit „mangelhaft“ bewertet. Dementsprechend sprechen sich auch 95% der Lehrer für eine Beibehaltung der Förderschulen aus.

Das NRW-Schulministerium unter Ministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) ignoriert die Kritik weiterhin. Laut Meinung einer Sprecherin war die Inklusion gut vorbereitet und es wäre falsch gewesen sie erst später (oder gar überhaupt nicht) durchzusetzen. Obwohl aus dem ganzen Land von Lehrern Beschwerden kommen, die das Scheitern jeden Tag ausbaden müssen, bezieht sich das Schulministerium lieber auf eine Bertelsmann-Studie, die man wohl als Gefälligkeitsgutachten einstufen kann, welche selbstverständlich erklärt, dass alles nur halb so schlimm ist. So kann man sich seine Welt auch zurechtbiegen, mit der Realität hat das aber mal wieder nicht viel zu tun.

Josef Kraus, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes (DL), fand übrigens schon öfter klare Worte für diese angeblich wissenschaftlichen Studien. Wir zitieren aus seinem Artikel „Über den Wert von Bertelsmann-„Studien“„:

Vor allem aber ist es an der Zeit, dass sich Politik und Publizistik gerade im Bereich Bildung ernsthaft an die entscheidenden Punkte der Kritik an Bertelsmann und seiner Stiftung herantrauen:

– Bertelsmann frönt einer fortschreitenden Ökonomisierung von Bildung. Bildungsqualität wird hier reduziert auf Quantifizierbares, Bildung herunterdekliniert auf das, was sich in Zahlen pressen und in wirtschaftliche Vorteile ummünzen lässt. Bildungseinrichtungen, die sich etwa qua Evaluation den Kriterien dieser Organisationen unterordnen, ordnen sich damit einem Konformitätsdruck unter, denn die „Messinstrumente“ entfalten selbstredend eine normative Wirkung.

– Höchstbedenklich ist die Art und Weise, wie Bertelsmann-„Studien“ lanciert werden: Die Stiftung liefert selektiv ausgewählte Daten, in gewissen Agentur- und Redaktionsstuben reagiert man marionettenhaft auf diese Zahlen und den damit verbundenen Alarmismus, und schon beginnt die Politik zu rudern. Politiker und Ministerialbeamte hier und die Stiftung dort instrumentalisieren sich zudem immer häufiger gegenseitig. Die Stiftung lässt ihren Kooperationspartnern exklusiv Information zukommen, sie verschafft sich damit Zugang zu vielen Projekten.

– Im Kern läuft alle Bertelsmann-Politik immer wieder auf eine mehr oder weniger versteckte Propaganda für ein einheitliches Schulwesen hinaus. Allein die Autoren, denen Bertelsmann Aufträge für „Studien“ zukommen lässt, stehen dafür.

– Besonders seltsam freilich mutet die Doppelbödigkeit der Bertelsmann-Politik an. Hinter der sich bildungsbeflissen gebenden Stiftung steht nämlich ein Konzern, der sich als Hauptanteilseigner bestimmter privater Fernsehsender bislang nicht gerade als Förderer von Bildung profiliert hat.

Es wäre also längst Aufgabe nicht nur der Bildungspolitik, sondern aller Politikfelder, in denen Bertelsmann wildert, sich von den Einflüssen dieser Stiftung frei zu machen, anstatt ständig auf „Studien“ dieses Hauses aufzuspringen oder im günstigen Fall ein halbherziges Ceterum Censeo anzufügen.

Es wäre also an der Zeit, dass die rot-grüne Landesregierung sich von ihren ideologischen Wunschvorstellungen löst, die sie nur noch durch Gefälligkeitsgutachten stützen kann und sich der Realität stellt, welche ihr absolut jede Umfrage unter Lehrern, die tatsächlich an der Quelle sitzen, liefert.

Leider ist bei den, längst auf unzähligen Politikfeldern vollständig von der Realität entkoppelten, Politikern der etablierten Parteien mit einem solchen Umsteuern nicht zu rechnen. Deshalb hilft es auch in der Bildungspolitik nur noch diese Personen endlich endgültig aus den Parlamenten zu vertreiben.

Bildquelle: Dieter Schütz | pixelio.de

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