Wesseling: Shell Kerosin-See wird kaum kleiner, dafür neue Vorfälle

800px-Shell_Godorf_Nacht

Bereits im Februar 2012 wurde ein großes Leck in einer Leitung der Shell Raffinerie Rheinland in Wesseling entdeckt. Aus diesem traten rund eine Millionen Liter Kerosin aus, welches sich inzwischen über 42.000 Quadratmeter ausgebreitet hat und einen riesigen Kerosin-See bildet, der an seiner breitesten Stelle 284 Meter misst. Natürlich wird dadurch auch das Grundwasser verschmutzt, was erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt hat.

Shell tut sich nun nicht gerade dadurch hervor den See so schnell wie möglich wieder zu beseitigen. Bis Ende November, somit über einen Zeitraum von 9 Monaten, wurden lediglich 100.000 Liter, also gerade einmal 10% des Kerosins, wieder abgepumpt. Das liegt nicht zuletzt wohl auch daran, dass aus Kostengründen nur eine einzige Pumpe eingesetzt wurde. Vor kurzem wurde zumindest eine zweite Pumpe in Betrieb genommen, momentan ist aufgrund des nun sehr hohen Grundwasserspiegels laut Shell das Abpumpen aber kaum möglich.

Seit dem ersten großen Vorfall kam es immer wieder zu kleineren Vorfällen bei denen Flüssigkeiten aus Leitungen austraten. Unter anderem traten im Oktober 500 Liter aus einer Leitung aus, Anfang November gab es ein weiteres Leck. Dafür dürfte mit ein Grund sein, dass die Leitungen sehr alt sind, so ist die Leitung mit dem größten Leck vom Februar 70 Jahre alt, manche sollen gar 100 Jahre alt sein.

Aus Kostengründen scheut der Konzern die Erneuerung dieser Leitungen, die Regierung unterstützt ihn dabei durch einen „Bestandsschutz“ für diese. Der Landesvorsitzende des Naturschutzbundes BUND, Paul Kröfges, nennt diese veralteten, einwandigen Leitungen hingegen gegenüber der Rheinischen Post „ökologische Zeitbomben“. So fordert er, dass sie „gegen moderne, doppelwandige Rohre ausgetauscht werden“ bevor ein weiteres Unglück passiert. Nicht zuletzt die neuesten Vorfälle geben ihm Recht.

Von Shell ist kein Entgegenkommen zu erwarten, somit wäre die Politik gefordert einzugreifen. Diese demonstriert aber eher wieder einmal ihre vollkommene Hilflosigkeit gegenüber Weltkonzernen, denen man offensichtlich alles durchgehen lässt. Ein Behördensprecher drückte es so aus: „Wir können aber nicht mehr machen, als Shell immer wieder dazu zu ermahnen, schnellstmöglich den Schaden zu beseitigen“ NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Bündnis 90/Die Grünen) schließt rechtliche Schritte mit den Worten „Das macht keinen Sinn.“ aus.

Von Strafzahlungen ist nichts zu hören, auch ansonsten unternimmt die Politik weder etwas, um solche Vorfälle in Zukunft unwahrscheinlicher zu machen, noch kümmert sie sich allzu nachdrücklich um die Beseitigung der jetzt schon angerichteten Schäden.

Auch in diesem Fall bestätigt sich wieder das Bild, dass der deutsche Durchschnittsbürger für jede Kleinigkeit vom Staat zu hohen Strafzahlungen herangezogen wird, während internationale Konzerne machen können was sie wollen. Weltkonzerne und Banken haben in Deutschland eine große Lobby, während der normale deutsche Bürger lediglich noch als Melkkuh und Wahlvieh herhalten darf.

Bildquelle: Martin Horath | wikimedia.org

Kommentar verfassen